rund um Kolumbien
deutsch
21/10/2006
Popayan
Wie geht das Sprichwort: wer Feste feiern kann, kann am anderen Morgen auch aufstehen, oder so aehnlich. das habe ich an diesem Sonntag ziemlich heftig gespuehrt. um 6 uhr hat der Wecker in mein Ohr gebruellt. mit etwas Kopfschmerzen und mueden Beinen habe ich mich auf den Weg gemacht. ich habe mich an den Strassenrand gestellt und auf den richtigen Bus gewartet. in Sued Amerika geht das oftmals so, dass man den Bus irgendwo auf der Strasse anhaelt, also Mami, keine Sorge... nach nicht all zu langer Wartezeit ist der Bus dann auch schon gekommen. zum Glueck hatte es noch einen Sitzplatz frei, nach mir standen die Leute im Bus und bei den Fahrkuensten der Latinos wuerde ich das nicht freiwillig machen. im Bus habe ich einen netten aelteren Mann aus Quito mit seinen zwei Enkelkindern kennengelernt. Er wollte sie bis zur Grenze von Columbien begleiten. von Otavalo ging es nach Tulcan, von dort mit dem Taxi bis zur Grenze Ecuador/Columbien, Ausreise- Einreisestempel (diesmal ziemlich fix), mit dem Taxi bis nach Ipiales, verabschieden von "Opa" und von dort mit dem Bus nach Popayan. die Kinder waren auf dem Heimweg nach Cali, somit konnten wir den gleichen Bus nehmen.
Anscheinend soll die Strecke von Ipiales nach Popayan nicht ganz ungefaehrlich sein. ich habe aber nichts von der Gefahr mitbekommen. natuerlich sieht man an jeder Ecke Militaer stehen, aber sonst, nada. etwas aufregendes habe ich aber gesehen. ein in flammen stehender Bus haben wir passiert. die leute sind gerade aus dem Bus gefluechtet aber es sah so aus, als ob niemand verletzt wurde. die Gegend war einmal mehr wunderschoen, man merkt dass man der Karibik naeher kommt.
in Popayan angekommen, habe ich mich in einem huebschen Hostal im kolonial Stil eingequartiert. Da viele öffentliche und private Bauten traditionell weiss angestrichen sind, wird Popayán auch die weisse Stadt (La Ciudad Blanca) genannt. 1983 erlitt Popayán durch ein Erdbeben bedeutende Zerstoerungen. fast 20 Jahre lang wurde am Aufbau der Stadt gearbeitet mit einem bewundernswerten Resultat. Im Hostal habe ich 2 Englaender kennengelernt, welche den Plan hatten nach San Augustin zu fahren. Da ich nicht alleine dahin wollte, konnte ich mich ihnen anschliessen.
San Augustin
Ich dachte nicht, dass es nach Bolivien noch schlimmer werden kann mit den Busfahrten, tja, falsch gedacht. um 7 uhr morgens fuhren wir los, ueber Stock und Stein auf einer schmalen Strasse ging es 6 Stunden lang ziemlich holprig zu und her. einmal habe ich mir die Nase so hefig am vorderen Sitz angeschlagen, dass sie anfing zu bluten. und ich uebertreibe nicht, wenn ich sage dass wir Luftspruenge von min. 40cm gemacht haben. meine Knie waren am naechsten Tag blau und jedes Glied in meinem Koerper schmerzte. im Boden des Buses waren Loecher, aber zum Glueck musste ich nicht noch mit meinen Fuessen angeben wie Fred Feuerstein. Auch von dieser Strecke wird gesagt, dass es gefaehrlich ist, wegen den Guerrillas, aber ich denke, dass die Busfahrt um einiges gefaehrlicher ist! Ein unvergessliches Abenteuer!
Endlich in San Augustin angekommen, haben wir uns erkundigt, was zu machen ist. wir haben eine Jeep-tour fuer den folgenden Tag gebucht und sind nachmittags in den lokalen "Parque Arqueologico".
San Agustín, ein malerisches Staedtchen in den gruenen Huegeln zu Fuessen der Anden, ist durch die vielen mysterioesen Statuen und Felsskulpturen frueherer Kulturen bekannt geworden. Die mit einfachsten Werkzeugen hergestellten Skulpturen stammen aus der Zeit 500 vor bis 1000 nach Christus. Vier bis fuenfhundert Goetter und mythische Tierfiguren finden sich auf beiden Seiten des Rio Magdalena bei San Agustin. Die wichtigsten davon in einem archaeologischen Park, ausserhalb des 1730m hoch gelegenen Staedtchens. San Agustín ist auch bekannt für die wunderschoene Natur mit tosenden Wasserfaellen in der Umgebung, darunter der Salto de Mortiño und Salto de Bordones, der groesste Wasserfall Kolumbiens und zweitgroesste des Kontinents.
Auf unserer Jeeptour haben wir "El Estrecho", die schmalste Stelle des Rio Magdalena, "Obando", eine Zucker"fabrik", "Alto de los Idolos", "San Jose de Isnos", "Alto de las Piedras", "Salto de Bordones" und "Salto del Mortiño" besucht. Es war sehr interessant zu sehen, wie sie aus dem Zuckerrohr, Zucker gewinnen. wir durften sogar etwas mithelfen und dann natuerlich den frischen Zucker probieren. ich glaube, dass ich noch nie so was suesses gegessen habe! unterwegs machten wir halt fuer einen "kleinen Drink". wir bekamen Guarapo serviert (Zuckergetraenk mit Alkohol, nachdem das Zuckerrohr gepresst wird, entsteht ein Saft. um daraus festen Zucker zu gewinnen muss man diesen erhitzen. wenn man den Saft aber 4 Tage gaeren laesst, entsteht Guarapo.) wir lernten auch noch ein nationales Spiel namens "Tejo" oder auch "Turmeke". man wirft aus der Distanz einen Bleidiskus und versucht in einem Kasten voll mit festem Schlamm 2 pinke Dreiecke, gefuellt mit Dynamit, zu treffen. wer naeher dran ist oder sogar die Dreiecke trifft, kriegt mehr/am meisten punkte. und wenn man das Spiel auch noch etwas beschwipst spielt, ist das ziemlich lustig... Andern Tags fruehmorgens ging es dann auch schon wieder zurueck nach Popayan. Diesmal durften wir die Fahrt auch noch im stroemenden Regen machen. Abwechslung muss sein...
Nach dem wir in Popayan unsere Rucksaecke gefasst und uns mit einem feinen "Baby-Beef" verstaerkt hatten, ging es weiter nach Cali.
Cali
Santiago de Cali ist nach der Einwohnerzahl die zweitgroesste Stadt des Landes. Cali bildet das oekonomische, industrielle und landwirtschaftliche Zentrum im Suedwesten Kolumbiens. Mit der Gruendung 1536 ist Cali eine der aeltesten Staedte Amerikas. Sie wird auch die "Hauptstadt des Salsa" genannt. Auch sollen hier die schoensten Frauen des Landes wohnen... Cali ist vorallem fuer seinen Ausgang bekannt. wir haben das Nachtleben ausgetestet, ich wurde aber nicht davon ueberzeugt, sowohl vom Nachtleben und den anscheinend schoensten Frauen...
Salento
Von Cali ging es weiter ueber Armenia nach Salento. Dieses typische kolumbianische Doerfchen liegt in mitten der Kaffeezone. Abends sind wir fein essen gegangen, frische Forelle in einer Knoblauchsauce! einfach himmlisch! am naechsten Morgen haben wir zuerst einen Aussichtspunkt im Dorf besucht und dann ging es zu Fuss durch den wunderschoenen tropischen Wald zu einer Kaffeeplantage. Don Raul, mit typischem Farmergesicht, hat uns auf seiner Plantage rumgefuehrt und alles genau erklaert. nicht nur Kaffeebohnen baut er hier an, aber auch Orangen, Ananas, Aepfel, Bananen und vieles mehr. am schluss hat er uns gezeigt, wie der Kaffee getrocknet und geroestet wird und natuerlich durften wir auch frischen Kaffee kosten. ja, auch ich als Nicht-Kaffeetrinker habe es probiert. aber es schmeckt mir immer noch nicht.
Bogota
Von Salento ging es nach Bogota. ich hatte Begleitung von einem Englaender, somit war die Busfahrt nicht ganz so langweilig. Bogotá ist die Hauptstadt Kolumbiens. Mit ihren 6,8 Millionen Einwohnern in der eigentlichen Stadt und 7,9 Millionen in der Agglomeration, ist sie die groesste Stadt Kolumbiens und ausserdem eine der am schnellsten wachsenden Metropolen Suedamerikas und an 34. Stelle der groessten Staedte der Welt. Die Stadt ist Verkehrsknotenpunkt sowie wichtigstes Wirtschafts- und Kulturzentrum des Landes mit Universitaeten, Hochschulen, Museen und Baudenkmaelern. Wer etwas in F1 interessiert ist, weiss dass Juan Pablo Montoya in Bogota geboren wurde.
Ich habe mich wieder mal zu einem Museeumbesuch durchgerungen. das Museo del Oro gehoert zu den wichtigsten Museen der Stadt. Es beherbergt mit 38000 Exponaten die weltweit wichtigste Sammlung praekolumbischer Goldkunstwerke. In einem 360-Grad-Schaufenster sind mehrere Tausend goldene Sonnen, Pflanzen und Tierfiguren, die im Dunkeln leuchten, in kuenstliche Landschaften eingebettet. Viele der Exponate stammen von der sogenannten Eldorado-Lagune von Guatavita. Dort fanden die Konquistadoren im Jahre 1560 zahlreiche Tierarten aus Gold: Affen, Fische, Kroeten und auch einen Kaiman.
Ich habe diverse Reisebueros aufgesucht um einen Flug nach Los Angeles zu buchen. Schlussendlich bin in fuendig geworden und bin nun auch noch Studentin an der Uni von Bogota. So bekam ich einen guenstigeren Flugtarif. so funktioniert das in Sued Amerika...
Im Hostal Sue hatte ich einer meiner besten Zeiten. wir haben alle zusammen das Nachtleben genossen und haben viel zusammen gekocht.
Medellin
Die Stadt ist beruehmt fuer ihre Gartenanlagen, ihre Blumen und die Vielfalt der Orchideen, die dort heimisch sind. Deswegen hat sie auch den Beinamen Capital de las Flores (Hauptstadt der Blumen). Einmal im Jahr gibt es im August ein Blumenfest, was ich aber verpasst habe. Die Stadt entwickelte sich erst in den 30er Jahren zu einem wichtigen Industriezentrum. Seit den 80er Jahren leidet das oeffentliche Leben der Stadt unter der Drogenmafia des Medellín-Kartells, das eine fuehrende Rolle im weltweiten Handel mit Kokain einnahm. Medellín verfuegt als einzige Stadt in Kolumbien mit einer 1995 eingeweihten Hochbahn ueber ein effizientes Massenverkehrsmittel, das die Stadt mit ihrer Umgebung verbindet.
Einmal mehr habe ich ein super Hostal erwischt und eine super Bande. Als Ersatz fuer das Blumenfest habe ich dafuer das Fest "Amor y Amistad" miterlebt. Sehr aehnlich zum Valentinstag. Abends als wir weggingen, sah man ueberall Herzen und die Damen wurden extra nett behandelt... Am Samstag fuhren wir alle zusammen mit der Metro in den nahe gelegenen Wasserpark. Hatte Spass gemacht, mal was anderes auf meiner Reise und mal wieder sich wie kleine Kinder benehmen. Am Sonntag Abend hatten wir wieder mal ein BBQ. Die Jungs hatten ein Wettrennen mit wer das dickste Steak auf dem Feuer hatte. einige verdrueckten 700g Steaks!!
Cartagena
Ueber Nacht ging es mit dem Bus nach Cartagena. Die Stadt wurde am 1. Juni 1533 durch Pedro de Heredia gegruendet. Sie gilt als eine der ersten spanischen Stadtgruendungen im Norden Suedamerikas und erfuhr ein schnelles Wachstum als wichtiger Hafen fuer die Schifffahrt des Kontinents. Aus diesem Grund wurde Cartagena haeufig von Piraten attackiert und mehrfach gepluendert, so zum Beispiel 1544, 1560 und 1588 durch Sir Francis Drake, 1697 von franzoesischen Piraten. Nach seinem Einfall befestigten die Bewohner die Stadt mit einem 11 km langen Schutzwall und die riesige Wehranlage San Felipe. Die Einfahrt in die Bucht saeumen zwei Forts, San José und San Fernando, an denen schwer vorbeizukommen war. Cartagena ist die Stadt mit den meisten Touristen und nicht zuletzt wegen der geografischen Lage die sicherste und bestbewachte Stadt in Kolumbien. Vom bewaffneten Konflikt zwischen Militaer, Paramilitaers und Guerilla ist Cartagena kaum betroffen. Das komplett ummauerte alte Stadtzentrum wurde 1959 zum nationalen Kulturerbe erkleart und ist seit 1984 UNESCO-Weltkulturerbe. Alljaehrlich findet hier der nationale Schoenheitswettbewerb "Miss Colombia" statt, eine Veranstaltung, die fuer viele Kolumbianer wichtiger ist als die Wahl des Praesidenten. Durch die engen Gassen kann die Hitze kaum entweichen und so staut sich die waerme. Ich habe das besonders gespuehrt und hatte am abend einen kleinen Hitzeschlag.
Taganga
Ich fluechtete von der Hitze in Cartagena. Mit dem Bus ging es ueber Barranquilla und Santa Marta nach Taganga, einem kleinen Fischerdorf in einer karibischen Bucht am Meer. Das Dorf und der Strand selber haben mich nicht so fasziniert, aber das Hostel war ein kleines Paradies. Mit Blick auf das Meer habe ich einige Stunden "nichts tun" im schatten der Baueme verbracht. Aber ganz faul war ich auch nicht. ich habe einen Advanced PADI Tauchkurs gemacht. Ich durfte einige super schoene Tauchgaenge erleben. Mein Favorit war der Wracktauchgang. Auf 30 Meter tiefe befand sich ein gesunkenes Schiff, etwa 30 Meter lang. Es wird gesagt, dass es ein Drogenschiff war... macht es doch interessanter! Wir konnten sogar in das Schiff rein, uhh spannend!
Bogota, meine letzte Station in Sued Amerika!!
Von Taganga ging es das letzte mal mit dem Bus ueber Nacht nach Bogota zurueck. Wieder ins Hostal Sue und alte bekannte Gesichter getroffen, welche sich bis jetzt noch nicht von Bogota trennen konnten. Meine letzten Tage hatten sich langsam gezaehlt in Sued Amerika. Auf dem Programm standen ein weiterer Besuch im Museo Botero, wo ausser einer Vielzahl von Werken von Fernando Botero auch anderer Künstler wie Picasso, Miró, Edgar Degas und Claude Monet zu sehen sind und anschliessend Plaza Bolívar, welcher von drei grossen Gebaeudekomplexen dominiert wird: "Catedral Primada", dem "Capitolio Nacional" mit einer maechtigen Saeulenhalle und der "Alcaldía de Bogotá". Der Betonbau des Justizpalasts, der die Nordseite der Plaza Bolívar einnimmt, erinnert daran, dass sich dort 1985 dramatische Szenen abgespielt haben. Denn der fruehere Justizpalast war in einer spektakulaeren Aktion von Guerilleros besetzt worden, die sich dort mit mehreren Geiseln verschanzten, woraufhin der Palast derart zerschossen wurde, dass ein Neubau an gleicher Stelle errichtet wurde.
Auch kam das Nachtleben im Bogota nicht zu kurz. ich habe meine letzten Tage in Sued Amerika sehr genossen. Am 5. Oktober ging mein Flug nach Los Angeles. War nicht ganz einfach, Columbien und somit auch Sued Amerika zu verlassen. Ein paar "Traenli" sammelten sich an, aber ich werde bestimmt wieder einmal zurueckkehren!
Fast exakt 6 Monate auf den Tag habe ich auf diesem fantastischen Kontinent verbringen duerfen. Ich hatte eine super Zeit und werde diese sicher nie vergessen. Ich kann eine Reise nach Sued Amerika nur jedem empfehlen! Auch an allein reisende Maedels, ich hatte nie das Gefuehl nicht sicher zu sein! Das Glueck stand auch auf meiner Seite!
Fazit:
Argentinien
+ Steak, unschlagbar
- Portemonnaie geklaut in Buenas Aires
Chile
+ Valparaiso, schoenste und verrueckteste Stadt
- am meisten Regen
Bolivien
+ billigste Reiseland
- kaeltesten Temperaturen
Peru
+ einmaliges Machu Picchu
- unfreundliche Menschen
Ecuador
+ Galapagos und Vulkan Tungurahua
- $US Doller
Columbien
+ nettesten Leute
- das Ende meiner Sued Amerika Reise!!
Posted by chrisarosa 15:41 Archived in Colombia Comments (0)